Blog Erfahrungsberichte

Wie läuft es denn so mit der Begleitung…?

Birgitt Kiefer empfindet den Kontakt zu einer geflohenen Algerierin als Geschenk. Der AKM hat im November 2016 bei einigen Mitgliedern nachgefragt, die schon seit einem Jahr im Landkreis Flüchtlinge begleiten, wie es denn laufe mit „ihren“ Migranten.

Birgitt Kiefer antwortete auf unsere Frage „Wie läuft es denn so mit der Begleitung…?“

„Nadjet B. und ich treffen uns noch immer regelmäßig, etwa einmal pro Woche. Leider haben wir oft keine Zeit, einfach nur zu plaudern. Noch immer sind viele Aufgaben zu bewältigen. Bislang ist die Teilnahme an einem Deutschkurs immer an der Kinderbetreuung gescheitert – zumal bis jetzt noch nicht klar ist, wer für den Kurs die Kosten übernimmt. Ein Amt schiebt es auf das andere… Zum Glück kann Nadjet dank der Schubert-Durand-Stiftung in Kürze eine Tagesmutter in Anspruch nehmen und endlich den ersehnten Kurs beginnen. Jetzt gilt es, eine Tagesmutter mit entsprechendem Zeitfenster in Wohnnähe zu finden. Das alles braucht viel, viel Zeit. Der kleine Adam (2 ½) fordert sein Recht, manchmal sind Arztbesuche nötig. Auch da sind wir zusammen unterwegs beim Kinderarzt, und, und, und… Also, langweilig wird es uns nicht. Ab und zu sind wir auch mächtig genervt über bürokratische Hindernisse und entsprechende Menschen, die sich dahinter verschanzen. Trotzdem bleibt auch genug Zeit, um spazieren zu gehen, Kaffee zu trinken, oder gemeinsam zu kochen. Moschee und katholische Kirche haben wir auch schon besucht. Meine Kinder, (15 und 16) nehmen lebhaft an unseren Begegnungen teil, besonders mein Mädchen. Nadjet B. ist eine aufgeschlossene, intelligente, lerneifrige junge Frau. Wir unterhalten uns oft über Unterschiede und Gemeinsamkeiten unseres Lebens als Frau, als Deutsche, beziehungsweise Algerierin, als Mutter und dergleichen. Inzwischen kenne ich auch ihre Freundinnen, Syrerinnen und Irakerinnen – meine Tochter und ich sind eingebunden in einen Kreis herzlicher Frauen und haben so die große Chance, über anderes Leben, andere Sitten und Gebräuche viel zu erfahren; vor allen Dingen das viele leckere Essen! Meine Kinder bekommen einen menschenfreundlichen und toleranten Islam vorgelebt und kennen nicht nur Schulwissen. Sie/wir haben die Möglichkeit aktiv an Festen und Alltagsritualen teilzunehmen. Nie kämen meine Kinder auf die Idee, Angst vor Moslems zu haben oder diese als Bedrohung zu sehen! Meine Familie und ich profitieren ebenso von unseren neuen Freundinnen, wie diese von uns.“

Alles Gute und viele schöne Grüße von Birgitt Kiefer