Allgemein Blog

Leserbrief „Die Ereignisse von Köln“

Den einen spielt es in die Karten, dass Flüchtlinge an den kriminellen Übergriffen beteiligt waren, weil sie jetzt noch ungehemmter ihren Vorurteilen freien Lauf lassen können; die anderen wollen vertuschen, dass Flüchtlinge beteiligt waren, weil es einfach nicht sein darf.

Realität missbrauchen, Realität leugnen – wo bleibt denn da die Realität? Wo bleibt die Sachlichkeit, die Besonnenheit?

Wir, zwei Asyl-Gruppen im Kreis Lörrach, sagen: Ja, es können auch Flüchtlinge beteiligt gewesen sein. Natürlich sind unter den 1 Millionen Flüchtlingen, die jetzt gekommen sind, auch Menschen, die zu Derartigem fähig sind. Wir wenden uns entschieden gegen jegliche Straftaten und stehen generell an der Seite der Opfer von Gewalt, Krieg und Kriminalität – egal ob es sich bei ihnen um ausländische oder deutsche Menschen handelt.

Wir sehen jetzt drei Aufgabenfelder:

  • einmal, die große Mehrheit der friedfertigen Flüchtlinge vor den jetzt wieder genährten Vorurteilen zu schützen.
  • zum Zweiten Bürger/innen, die sich für Flüchtlinge engagieren, zu ermutigen, unbeirrt ihre sinnvolle Aufgabe weiter zu machen,
  • zum Dritten die Aufgabe der Integration in ihrer breiten Komplexität wahrzunehmen als eine der großen Herausforderungen der vor uns liegenden Zeit. Hier sind alle gefordert, vor allem die jüngere und mittlere Generation:

Denn ob die Integration gelingen wird oder nicht, hängt von uns ab, und das wird erst in der nächsten Generation ablesbar sein (siehe die Situation in Frankreich jetzt). Viele Bürger/innen sind in einem der Helferkreise aktiv. Für die anderen böten sich runde Tische mit Freunden, Nachbarn, Bekannten, Kollegen, um sich auszutauschen, auf welchen vielfältigen Gebieten sie nachhaltig mit Mut, Geduld und Ausdauer ein Hineinwachsen der Fremden in unsere Gesellschaft fördern können. Für uns alle bleibt die Überlegung, wie wir unsere Werte von Menschenwürde, Demokratie, Gleichberechtigung und Rechtsstaatlichkeit selbst leben und sie den Flüchtlingen dadurch weiter vermitteln können.

Vorurteile, Verteufelungen, Aggressionen, Resignation führen zur Erstarrung – sie verhindern die Gestaltung einer lebendigen und lebenswerten Zukunft.

Von einer gelingenden Integration hängt ganz wesentlich unsere Zukunft ab, der soziale und kulturelle Friede. Es liegt auch die große Chance in ihr, mit dem Zustrom von jungen Flüchtlingen die demographischen und daraus erwachsenen wirtschaftlichen Probleme unserer alternden Gesellschaft abzumildern.

Florian Nantscheff, Freundeskreis Asyl Lörrach
Vitus Lempfert, „Arbeitskreis Miteinander“, Lörrach